Tagsüber zerschlagen, nachts quälend wach
Unfreiwillige mangelnde Nachtruhe zieht am Tag eine ganze Reihe von Befindlichkeitsstörungen bis hin zu lebensgefährlichen Situationen nach sich – von Frieren bis Sekundenschlaf. Ob tatsächlich Schlafstörungen Ursache für die unterschiedlichen Beschwerden sind, zeigt letztlich die Untersuchung im Schlaflabor oder in der Schlafambulanz. Sie zeichnet die verschiedenen Parameter während der Nacht auf und zeigt, ob gefährliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) vorliegen, ein Restless-Legs-Syndrom, Schlafwandeln oder Albträume.Im Überblick
Symptome von Schlafstörungen
Man muss kein Mediziner sein, sondern nur selbst einmal einige Nächte wach gelegen haben, um die Symptome von Schlafstörungen aufzählen zu können:
- Nervosität und Gereiztheit
- Stressgefühl
- Frieren
- Missmut, depressive Verstimmung
- Konzentrationsschwäche
- Leistungsschwäche
- erhöhte Schmerzempfindlichkeit
- Wortfindungsstörungen
- Tagesmüdigkeit
Die Erklärung für diese schwerwiegenden Folgen: Der Hormonhaushalt, der Temperaturhaushalt sowie viele andere physiologische Vorgänge folgen im Schlaf einer strengen Dramaturgie. Häufige Wachphasen bringen diesen Ablauf jedoch durcheinander. So werden z. B. die Schilddrüsenhormone aktiver – was die Nervosität erklärt – und die Thermoregulation wird gestört. Auch kann keine ausreichende Menge des Energieträgers Adenosintriphosphat gespeichert werden, was den Leistungs- und Konzentrationsknick am Tag erklärt. Die für die psychische Erholung so wichtigen Traumphasen – auch
REM-Phasen – genannt, werden ebenfalls weniger.
Werden die Schlafstörungen durch
Schlafapnoe hervorgerufen, sind die Auswirkungen noch schlimmer: Der nächtliche Blutdruck steigt, was das Risiko für einen
Schlaganfall und
Herzinfarkt erhöht. Tödliche Autounfälle durch den Sekundenschlaf
Dies alles zeigt, wie wichtig es ist, dass Sie Schlafstörungen behandeln lassen. Allein die Symptome Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen beeinträchtigen Ihren Alltag erheblich: Sie können Ihre Arbeit nicht mehr so gut wie gewöhnlich erledigen und Ihr Unfallrisiko steigt – sofern Sie Auto fahren – erheblich. Viele tödliche Unfälle sind auf den Sekundenschlaf am Steuer zurückzuführen.
↑ nach oben
Diagnose – am besten vom Experten
Je länger Schlafstörungen anhalten, desto schwerer sind sie zu behandeln. Leicht entsteht ein Teufelskreis: Zu den Schlafstörungen gesellt sich schnell die Angst vor den Schlafstörungen, was ein friedliches Schlummern erst recht verhindert. Experten raten deshalb, den Arzt aufzusuchen, wenn die Schlafstörungen länger als vier Wochen dauern. Erster Ansprechpartner bei Schlafstörungen ist der Hausarzt. Wenn Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihrem Hausarzt haben, kann Ihnen ein ausführliches Beratungsgespräch, in dem Sie auch mögliche Auslöser beleuchten, oft schon weiterhelfen. Hat der Arzt den Verdacht, dass es für Ihre Schlafstörungen körperliche Ursachen gibt, wird er eventuell auch Blut abnehmen oder ein EKG machen.
Schlafambulanz – Schlaf auf dem Prüfstand Sollte Ihre Schlaflosigkeit anhalten, drängen Sie auf eine Überweisung zu einer
Schlafambulanz, von denen es inzwischen rund 50 in Deutschland gibt. Die Schlafmediziner, die dort arbeiten, fragen Sie nach:
- Ihrer Schlafdauer und -qualität
- Einschlafproblemen
- Besonderheiten im Schlaf-Wach-Rhythmus
- Lebensgewohnheiten und Schlafhygiene
- Schnarchen
- häufigen nächtlichen Wachphasen
- nächtlichen Gängen zur Toilette
- Schmerzen oder Kribbeln in den ruhenden Beinen
- Albträumen
- Zähneknirschen
- auffälligen Bewegungen im Schlaf
- Nachtschweiß
- nächtlichen oder morgendlichen Kopfschmerzen
- frühmorgendlichem Erwachen
- Tagesmüdigkeit
- unfreiwilligem Einschlafen am Tage
- Leistungsfähigkeit.
„Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Bestandsaufnahme durch Fragebögen zu ergänzen, die auch gezielt das subjektive Empfinden der Müdigkeit ausloten“, berichtet Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité in seinem Buch „Der Schlafquotient“. Auch Fragen zu Gedächtnisleistung, Geschicklichkeit und Konzentrationsfähigkeit finden sich darunter.
Ein Aktimeter misst die Wach- und Schlafphasen Manchmal geben die Schlafmediziner dem Patienten auch ein Aktimeter mit nach Hause, das aussieht wie eine Armbanduhr und nachts getragen wird. Das Aktimeter enthält einen Sensor, der aufzeichnet, wann sich der Körper bewegt und wann er bewegungslos ist. Es liefert somit ein Bild des tatsächlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Dies ist hilfreich, weil der Patient sein Schlafverhalten nie objektiv beobachten und schlecht beschreiben kann – weshalb auch Schlaftagebücher meistens ungenau sind.
Nasenbrille und Bauchgurt bei Verdacht auf Schlafapnoe Die Ärzte in der Schlafambulanz geben Patienten mit Verdacht auf
Schlafapnoe oft auch ein Screening-Gerät mit, das wie ein Mobiltelefon aussieht und mittels Nasenbrille die Atmung aufzeichnet und mittels Brustgurt die Bewegung des Brustkorbs und des Zwerchfells. Außerdem registriert es die Sauerstoffsättigung des Blutes, den Puls, die Wechsel der Körperlage und das Schnarchen. Haben die Schlafexperten den Verdacht, dass Sie im Schlaf unter Atemstörungen leiden (
Schlafapnoe), werden sie Ihnen meistens jedoch eine genauere Untersuchung im
Schlaflabor empfehlen, wo auch eine akustische und visuelle Überwachung Ihres Schlafs möglich ist.
Schlaftagebuch erleichtert die Diagnose Die Wartelisten der Schlafambulanzen sind lang. Doch lassen Sie sich davon nicht abschrecken: Allein das Wissen, dass einem bald Experten zur Seite stehen werden, beruhigt und kann bereits den Schlaf fördern. Führen Sie während der Wartezeit vier Wochen lang ein
Schlaftagebuch, in dem Sie Ihre Einschlaf- und Aufwachzeiten notieren. Das erleichtert den Schlafexperten die Diagnostik. Ein
Schlaftagebuch können Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und
Schlafmedizin (DGSM) bestellen.
↑ nach oben
Schlaflabor: Hilfreiche Diagnostik bei Schlafapnoe
Es gibt in Deutschland rund 50 Schlafambulanzen und circa 310
Schlaflabore. Das legt den Gedanken nahe,
Schlaflabore spielten in der Diagnostik von Schlafstörungen eine größere Rolle als die Schlafambulanzen. Doch so ist es nicht: Während sich die Ambulanzen für die Diagnose jeglicher Art von Schlafstörungen anbieten, ist eine Untersuchung im
Schlaflabor nur sinnvoll bei Verdacht auf nächtliche Atmungsstörungen (
Schlafapnoe),
Narkolepsie und Bewegungsstörungen im Schlaf wie z. B. das Schlafwandeln. Bei den weit verbreiteten Ein- und
Durchschlafstörungen ist die Diagnostik im
Schlaflabor nicht zwingend notwendig, weil der Arzt sie bereits durch einfaches Befragen des Patienten feststellen kann.
Atmung und Herz unter Beobachtung Der Patient übernachtet meistens drei Nächte im
Schlaflabor. Während er schläft, messen die Schlafmediziner
- die Hirnströme mithilfe des Elektroenzephalogramms (EEG)
- den Muskeltonus mit dem Elektromyogramm
- die Herzfrequenz (EKG)
- die Atmung
- die Sauerstoffsättigung des Blutes
- Beinbewegungen und Wechsel der Körperlage.
Außerdem wird der Schlafende mit einer kleinen Infrarotkamera überwacht, ein Mikrofon nimmt eventuelle Schnarchgeräusche auf.
Genaue Analyse der Schlafphasen Anhand der verschiedenen Messdaten und Aufzeichnungen können die Schlafmediziner feststellen, ob es in der Nacht z. B. zu
Herzrhythmusstörungen und Sauerstoffmangel kommt. Sie erstellen eine Art Schlafdiagramm, auch kardiorespiratorische
Polysomnografie (PSG) genannt, das auch Auskunft über die verschiedenen Schlafphasen gibt. So lassen sich etwa anhand des
EEG und der Augenbewegungen die Häufigkeit und Dauer der Traumphasen bestimmen. Schlafmediziner bezeichnen die Traumphasen auch als
REM-Phasen, REM ist die Abkürzung für rapid eye movements (schnelle Augenbewegungen). Diese Phasen sind wichtig für die psychische Erholung. Bei Schlafmangel reduzieren sich die
REM-Phasen, was die Dünnhäutigkeit schlafloser Menschen erklärt.
↑ nach oben