Vollmond
Jeder zehnte Deutsche ist betroffen: Die Nachtruhe ist gestört, erholsamer Schlaf stellt sich nicht ein. Auslöser sind Atemaussetzer, Alkohol, Hormone oder die Gene.
Mann schläft vor Laptop
Schlafstörungen machen nervös, gereizt und letztlich krank. Spezielle Diagnosetechniken, z. B. im Schlaflabor, decken die Ursachen auf.
Mann presst sich Kissen auf die Ohren
Schlafstörungen sind nicht gleich Schlafstörungen. Sie können psychische Ursachen haben, aber auch körperliche. Am gefährlichsten sind Atemaussetzer (Apnoe).
Frau liegt im Bett
Einschlafschwierigkeiten? Durchschlafprobleme? Dagegen gibt es Strategien und sanfte Maßnahmen gegen den Teufelskreis. Notfalls helfen Medikamente.
Frau im Bett mit Fernbedienung
Sex und Sport schenken besseren Schlaf, Fernsehen im Bett und Stress bewirken das Gegenteil. Alles über Schlafhygiene und Tipps gegen schlaflose Nächte.

Schlafstörungen / Krankheitsbild

Schlafstörungen – wenn die Nacht zum Albtraum wird

Wer sie jemals erlebt hat, weiß: Schlafstörungen machen dünnhäutig und missgelaunt, sie rauben die Konzentration und Leistungsfähigkeit. Doch damit nicht genug: Lang anhaltende, chronische Schlafstörungen, medizinisch „Insomnie“, beeinträchtigen das Immunsystem und können Depressionen hervorrufen. Sind nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) der Grund für die Schlafstörungen, besteht die Gefahr von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes. Nicht zuletzt führt Schlaflosigkeit oft zum gefürchteten Sekundenschlaf am Steuer und erhöht damit das Risiko schwerer Verkehrsunfälle.

Nur wenige Menschen mit Schlafstörungen suchen den Arzt auf. „Es wird schon wieder vorübergehen“, glauben die meisten. Doch Schlafexperten warnen: Wenn die Schlafstörungen länger als vier Wochen andauern, sind sie ohne ärztliche Behandlung meistens nicht mehr in den Griff zu bekommen. Mit dem Arztbesuch länger als einen Monat zu warten, führt in einen Teufelskreis: Zur Schlaflosigkeit gesellt sich die Angst davor, die alles nur noch schlimmer macht.

Zuerst zum Hausarzt, dann zum Spezialisten


Viele Schlaflose befürchten, der Hausarzt könne doch nicht viel ausrichten gegen ihr Leiden und verschreibe am Ende nur Tabletten. Doch das ist kein Argument: Es gibt in Deutschland inzwischen eine Reihe Schlafambulanzen, in denen spezialisierte Ärzte arbeiten. Einzige Voraussetzung für den Besuch ist ein Überweisungsschein des Hausarztes. In den Ambulanzen arbeiten Experten, die sich vom Patienten detailliert sein Schlafverhalten schildern lassen und nach umfassender Diagnostik eine Therapie auswählen. Dies kann eine Verhaltenstherapie sein, eine Entspannungstechnik, die Schlafrestriktion oder ein modernes Schlafmedikament, im Falle der Schlafapnoe auch eine Maske.

Jeder Zehnte ist betroffen


Schlafstörungen sind weit verbreitet: Etwa jeder zehnte Erwachsene ist Umfragen zufolge davon betroffen. Am häufigsten sind Ein- und Durchschlafstörungen, die Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) und das Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der ruhelosen Beine).
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Viele Ursachen: Von Alkohol bis Wechseljahre

Fast jeder hat schon einmal Schlafstörungen erlebt: Weil ein geliebter Mensch gestorben ist, er die Kündigung erhalten hat oder vom Partner verlassen wurde. Die Liste ließe sich unendlich weiterführen. „Kummer wegen der Kinder, Sorgen um die Eltern, finanzielle Probleme – kurzum alles, was ans Herz geht, kann zum Auslöser schlechten Schlafes werden“, sagt Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité.
Kummer und Sorgen sind die häufigsten Auslöser von Schlaflosigkeit, aber es gibt noch mehr:
  • die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre
  • relativ hoher Alkoholkonsum am Abend – Alkohol fördert zwar das Einschlafen, beeinträchtigt jedoch das Durch- und Tiefschlafen
  • Verkehrslärm, die Unruhe oder das Schnarchen des Partners
  • Hitze
  • Schmerzen
  • Krankheiten wie Depression, Demenz, Parkinson, Refluxkrankheit (Sodbrennen), Angina pectoris und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
Auch wer regelmäßig gegen die Regeln der Schlafhygiene verstößt und z. B. abends Kaffee trinkt und raucht oder sich tagsüber nicht ausreichend bewegt, kann leicht Schlafstörungen entwickeln.

Übergewicht und Alkohol fördern Schlafapnoe

Bei der Schlafapnoe spielen Sorgen und Stress dagegen keine Rolle. Von den nächtlichen Atemaussetzern sind vor allem Männer über 40 Jahre betroffen, aber auch Frauen im Klimakterium.

Weitere Risikofaktoren sind:
  • Übergewicht
  • Fehlbildungen im Kiefer-Rachen-Raum
  • großer Halsumfang
Die Macht der Gene

Stress in der Arbeit, Streit mit dem Ehepartner – einige Menschen schlafen trotz alledem friedlich, andere liegen wochenlang nachts wach. „Nach dem heutigen Stand der Forschung liegt es nicht an den ,Genen‘, ein schlechter oder sensibler Schläfer zu sein“, schreiben Dr. Ingo Fietze und Thea Herold in ihrem Buch „Der Schlafquotient“. Aber es wird eine genetische Veranlagung vermutet, zumindest bei Menschen, die bereits in frühen Jahren Symptome der Insomnie wahrnehmen. Viele erwachsene Schlafgestörte berichten, dass sie bereits in der Schulzeit einen leichten Schlaf hatten.
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Glossar

EEG (Elektroenzephalographie)
Mittels auf dem Kopf angebrachter Elektroden werden Potenzialschwankungen des Gehirns (Hirnstromwellen) gemessen und aufgezeichnet. Mit dem EEG kann der Ablauf der Schlafphasen aufgezeichnet werden. Am Verlauf der Wellen lassen sich bestimmte Schlafstörungen wie die Schlafapnoe diagnostizieren.

Einschlaflatenz
die Zeit, die bis zum Einschlafen vergeht

EMG (Elektromyographie)
Aktionsströme im Muskelgewebe werden gemessen und aufgezeichnet. Dadurch lässt sich der Muskeltonus des Muskelgewebes bestimmen. Im Schlaflabor wird das EMG zusammen mit EEG und EOG zur Aufzeichnung der Schlafphasen eingesetzt.

EOG (Elektrookulographie)

Augenbewegungen werden mittels Elektroden aufgezeichnet.

Hypersomnien
Schlafstörungen mit verstärkter Tagesmüdigkeit und langen Übergangszeiten bis zum Wachzustand. Es kommt zu ungewolltem Einnicken während des Tages und Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Beispiel für eine Hypersomnie ist die Schlafapnoe.

Hypnotika
Schlafmittel

Insomnie
Schlaflosigkeit, die auf Einschlafstörungen oder Durchschlafstörungen basiert

Jetlag
Verschiebung des Schlafrhythmus nach langen, über mehrere Zeitzonen reichende Flugreisen. Gewöhnlich dauert es einige Tage, bis der normale Rhythmus wieder hergestellt ist.

Non-REM-Schlaf
Schlafphasen, die nicht mit raschen Augenbewegungen und Träumen einhergehen

Parasomnie
Auffälligkeiten während des Schlafes wie Schlafwandeln oder Sprechen sowie plötzliches schreckhaftes nächtliches Aufwachen (Pavor nocturnus)

Polysomnographie (PSG)

Untersuchung im Schlaflabor, die sich aus EEG, EOG und EMG zusammensetzt. Sie kann mit einer Aufzeichnung von Atemfrequenz und EKG verbunden sein. Damit wird der Schlaf genau analysiert. Schlafmediziner setzen die PSG z. B. ein, um ein Schlafapnoe-Syndrom zu diagnostizieren.

Progressive Muskelentspannung
Entspannungstechnik, die der US-amerikanische Physiologe und Psychologe Edmund Jakobsen entwickelt hat. Einzelne Muskelgruppen werden willentlich angespannt und danach wieder entspannt. Dadurch stellt sich nach einiger Übung eine tiefe Entspannung ein, die sich immer schneller bewusst herstellen lässt. Diese Methode wirkt bei Schlafstörungen oft lindernd.

Rebound-Insomnie
Die sogenannte Rebound-Insomnie tritt auf, wenn ein stärker wirksames Schlafmittel (z. B. Benzodiazepine) abrupt abgesetzt wird; es tritt dann der gegenteilige Effekt auf, also eine stärkere Schlafstörung.

REM-Phase
Die Schlafphase, in der Träume stattfinden, wird aufgrund der lebhaften Augenbewegungen REM-Phase (rapid eye movement) genannt. Atemfrequenz und Herzfrequenz sind im REM-Schlaf erhöht.

Restless-Legs-Syndrom (PLS)
Das Krankheitsbild kann Begleitsymptome einer Schwangerschaft, Anämie und einer Niereninsuffizienz sein. Frauen mit mehreren Kindern sind häufiger betroffen als kinderlose Frauen oder als Männer. Beim Einschlafen, aber auch schon tagsüber kommt es zu quälenden Missempfindungen in den Beinen, die mit dem Bedürfnis einhergehen, die Beine zu bewegen.

Schlafapnoe
Anfallsweises Auftreten von länger als zehn Sekunden andauernden Atemstillständen vor allem während des Non-REM-Schlafs. Dadurch entsteht im Körper eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Der Schlaf ist beeinträchtigt, Tagesmüdigkeit die Folge.

Schlafarchitektur
Anteil der einzelnen Schlafphasen – wie Tiefschlaf- und REM-Phase – am gesamten Schlaf. Sie verändert sich im Lauf des Lebens, mit zunehmendem Alter reduziert sich der Tiefschlaf.

Schlaflabor
Im Schlaflabor eines schlafmedizinischen Zentrums kann ein Patient mithilfe der Polysomnographie (PSG) auf bestimmte Schlafstörungen wie die Schlafapnoe untersucht werden. Der Patient verbringt in der Regel zwei bis drei Nächte im Schlaflabor.

Schlafphasen
Im Schlaf findet ein rhythmischer Ablauf von fünf Schlafphasen statt wie der REM-Phase, der Leichtschlaf- und der Tiefschlaf-Phase.

Schlafrestriktion
Methode der Verhaltenstherapie, bei der die Schlafdauer zunächst eingeschränkt und dann wieder schrittweise erhöht wird

Schlaftabletten
Zu den modernen, relativ nebenwirkungsarmen Schlafmedikamenten zählen die Z-Präparate, die z.B. Zaleplon, Zolpidem und Zopiclon heißen. Auch Antidepressiva und Neuroleptika werden verordnet, nicht mehr dagegen Barbiturate und Benzodiazepine. Häufig nehmen Patienten auch die frei verkäuflichen Antihistaminika, doch sie sind wegen ihrer Nebenwirkungen nicht zu empfehlen. Pflanzliche Präparate wie Baldrian und Johanniskraut sind einen Versuch wert.

Schlaftagebuch
Zur genauen Diagnostik einer Schlafstörung ist ein Schlaftagebuch empfehlenswert, in dem der Patient jeden Tag morgens und abends den Ablauf der Nacht, Aufwachhäufigkeit, Einschlaflatenz oder Tagesmüdigkeit einträgt.

Stimulus-Kontrolltechnik
Methode der Verhaltenstherapie, durch die der Patient lernt, dass das Bett nur zum Schlafen da ist und nicht für andere Tätigkeiten wie Lesen, Fernsehen etc.

Tiefschlaf
Im Tiefschlaf regeneriert sich der Mensch besonders intensiv. Während des ersten Teil des Schlafes sind die Tiefschlafphasen besonders lang, gegen Morgen nehmen sie ab.
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Rotwein
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Alkoholkonsum am Abend kann zu Schlafstörungen führen. Er fördert zwar das Einschlafen, beeinträchtigt aber das Durch- und Tiefschlafen.
Frau sitzt im Bett
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Wenn der Partner schnarcht oder unruhig schläft, kann das den eigenen Schlaf stören.
Füße auf der Waage
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Übergewicht ist ein Risikofaktor für Schlafapnoe, also nächtliche Atemaussetzer. Auch Fehlbildungen im Kiefer-Rachen-Raum oder ein großer Halsumfang können diese Schlafstörung bedingen.