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Blutgerinnunsstörung (Koagulopathie)



Die Blutgerinnung ist gestört – diese Feststellung sagt einem Patienten zunächst wenig. Denn entscheidend ist, ob das Blut eine zu hohe oder zu niedrige Gerinnungsneigung hat. Am häufigsten ist wohl eine überschießende Blutgerinnung. Sie ist gefürchtet, weil sie Thrombosen, das heißt die Bildung von Blutgerinnseln, in den Venen und Arterien fördert.

Starke Blutungen steigern die Gerinnungsneigung

Eine Thrombose-Neigung, auch Thrombophilie genannt, kann zum Beispiel nach starken Verbrennungen, nach einer Operation oder nach der Entbindung auftreten: Wenn der Körper viel Flüssigkeit verliert, ändert sich die Zusammensetzung des Blutes und seine Fließeigenschaft. Außerdem nimmt die Gerinnungsneigung durch Gefäßverletzungen zu. Auch wenn bösartige Tumore (Malignome) durch eine Chemotherapie zerfallen, muss mit einer erhöhten Blutgerinnung gerechnet werden.

Vorsicht vor Lungenembolie

Eine Thrombose in den Venen kann sich durch Schmerzen und Schwellung des betroffenen Beines äußern. Ein Verdacht auf Thrombose sollte sofort ärztlich abgeklärt werden, da eine Lungenembolie entstehen könnte. Dieses Risiko lässt sich durch Heparin und zum Beispiel Phenprocoumon senken. In den Arterien können sich ebenfalls Thromben bilden und ablagern. Sie führen je nach Lokalisation zu einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder akuten Gefäßverschluss in den Beinen.

Infekte und Tumore können Zahl der Thrombozyten reduzieren

Es gibt aber auch gegenteilige Fälle: eine viel zu schwache Blutgerinnung. Sie kann durch einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) entstehen. Normalerweise zirkulieren 200.000 bis 400.000 Thrombozyten pro Mikroliter (µl) in unserem Blut und leben etwa neun bis zehn Tage. Infekte, bestimmte Medikamente, Krebserkrankungen, Antikörper oder ein erhöhter Verbrauch bei anderen Gerinnungsstörungen (Verbrauchskoagulopathie) können ebenso wie eine Reifestörung bei Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel zur Thrombozytopenie führen. In der Regel entsteht eine Blutungsgefahr, wenn die Zahl funktionstüchtiger Blutplättchen unter 30.000/µl fällt. Neben der Behandlung der Grundkrankheit stehen Thrombozytenkonzentrate zur Verfügung.

Das Leiden der Könige: Die Bluterkrankheit

Die bekannteste Störung der Blutgerinnung ist sicherlich die Bluterkrankheit (Hämophilie). Dabei fehlt der Gerinnungsfaktor VIII oder IX. Die Hämophilie war in europäischen Königshäusern weit verbreitet, weil sie sich bei den oft recht engen Verwandtschaftsverhältnissen leicht vererbte. Die erhöhte Blutungsneigung der Patienten wird heute durch die Gabe der fehlenden Gerinnungsfaktoren behandelt. Früher sind viele Betroffene verblutet.

Einige Gerinnungsfaktoren werden von der Leber gebildet und sind von der Vitamin-K-Aufnahme durch die Nahrung abhängig. Bei Lebererkrankungen, etwa infolge von Alkoholismus, und bei Vitamin-K-Mangel werden diese Gerinnungsfaktoren deshalb nicht mehr ausreichend gebildet. Eine erhöhte Blutungsneigung kann die Folge sein.
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